27. März 2026

FIAS-Forum zum Bewusstsein

Wie menschlich wird KI?

Wie nah die Naturwissenschaften an philosophischen Fragen sind, zeigte FIAS-Senior-Fellow Jochen Triesch in seinem Vortrag zu Bewusstsein und Intelligenz am 26. März im FIAS-Forum. Neben der Definition standen der "Nachbau" menschlichen Lernens sowie der Vergleich mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Fokus. Die rund 80 Gäste zeigten sich begeistert und diskutierten im Anschluss engagiert mit.

Wie nah die Naturwissenschaften an philosophischen Fragen sind, zeigte FIAS-Senior-Fellow Jochen Triesch in seinem Vortrag zu Bewusstsein und Intelligenz am 26. März im FIAS-Forum. Neben der Definition standen der "Nachbau" menschlichen Lernens sowie der Vergleich mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Fokus. Die rund 80 Gäste zeigten sich begeistert und diskutierten im Anschluss engagiert mit.

In zwei Videos demonstrierte Triesch die Möglichkeiten und aktuellen Grenzen von KI: Während ein humanoider Roboter schon recht gut Tennis spielen kann, tut sich ein Chatbot schwer, physikalische Gesetze realistisch auf Alltagssituationen anzuwenden. Wie kompliziert die Definition von Intelligenz und Bewusstsein ist, schilderte Triesch anhand von Beispielen: Wann beginnen sie bei einem Baby? Wie "bewusst" sind wir während des Schlafens? 

Zur Klärung dieser Fragen versucht die Wissenschaft, Bewusstsein in einzelne Bausteine zu zerlegen, beispielsweise Motivation, Koordination, Planen, Fragen, episodisches Gedächtnis. "Bisher gibt es kein KI-System mit allen definierten Bausteinen", so Triesch. 

Seine Arbeitsgruppe untersucht mit Hilfe eines digitalen Zwillings, wie unser Hirn lernt. Mit MIMo (Multimodal Infant Model) haben sie ein virtuelles Kind geschaffen, das wächst, lernt und seine Sinne realistisch entwickelt.In Abstimmung mit Entwicklungspsycholog:innen simulieren Triesch und sein Team, wie MIMo seine Umgebung und sich selbst erkennen lernt und so sein Wissen erweitert. Das Ziel ist, dass sich MIMo etwa gegenüber einem Spiegel ähnlich verhält wie ein gleichaltriges Kind.

"KI-Systeme mit einer Art Bewusstsein sind bereits am Horizont zu erkennen", so Triesch. Sie dürften aber niemals ihre eigenen Ziele definieren, weist er auf eine Gefahr hin. Der Rechenaufwand für solche digitalen Modelle sei zudem sehr hoch - sodass auch MIMo Sachen "vergessen" muss, um Ressourcen zu schonen.

In der anschließenden lebhaften Diskussion kamen Fragen zu einer breiten Palette des Bewusstseins: soziales Verhalten, Erkennen eines "Selbst", Scham, soziale Interaktion. Es wurde deutlich, dass hier viele Fragen noch offen sind, aber sich spannende Perspektiven eröffnen, die von Lebens- und Computerwissenschaften bis weit in die Philosophie hineinreichen. 

Vortrag von FIAS-Senior-Fellow Jochen Triesch im FIAS-Forum.